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Zuhause geboren

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Für Hebammen

#zuhausegeboren –
Wie war Ihre Hausgeburt?

Frauen haben die Wahl, ihr Kind in einem Krankenhaus, Geburtshaus oder zuhause zu gebären. Dieses Wahlrecht droht jetzt eingeschränkt zu werden, weil die Krankenkassen verbindliche und nicht wissenschaflich belegte Ausschlusskriterien für Hausgeburten festlegen wollen. Sie wollen Geburten nicht mehr bezahlen, wenn zum Beispiel der errechnete Geburtstermin um ein paar Tage überschritten ist. Dadurch wird nicht nur die Wahlfreiheit der Frauen, sondern auch die Berufsausübung der Hebammen massiv eingeschränkt. Zahlreiche Menschen haben bei ihren Krankenkassen mit Briefen, einer Petition und unter dem Hashtag #meineGeburtmeineEntscheidung dagegen protestiert. Bislang leider ohne Erfolg! Hebammen und die Frauen treffen verantwortungsbewusste Entscheidungen.

Helfen Sie uns, das zu zeigen. Erzählen Sie uns die Geschichte Ihrer Hausgeburt! Sie können auch ohne Foto und anonym berichten.

 
Sonja Dubois
 
Sonja Dubois , Bonn

Wir hatten uns bewusst zu einer Geburtshausgeburt entschieden und hatten dann auch schnell eine Zusage einer dort tätigen Hebamme. Die Vorsorge verlief im Wechsel mit der Gynäkologin und die Schwangerschaft war unauffällig und für uns als werdende Eltern sehr schön. Wir genossen die Vorsorge der Hebamme sehr die auch bei uns zu Hause mal statt fand.

Der errechnete Termin war noch 2 Wochen entfernt und meine Hebamme wollte für ein paar Tage verreisen und da ich im 2 er Team gearbeitet wurde war kar, dass Ihre Kollegin für mich da sein würde.

Nachts bekam ich Wehen die sich intensivierten und spürbar waren aber mich zwischendurch immer schlafen ließen. Morgens gingen mein Partner und ich noch mit dem Hund spazieren und vorsichtshalber ging mein Partner auch nicht arbeiten um bei mir zu sein. Nach dem Spaziergang zu Hause angekommen frühstückten wir und räumten ein wenig rum und auf. Die Wehen wurden stärker und ich musste diese nun auch veratmen und innehalten. Der Anruf bei der Hebamme um mich zu melden und mit der Hoffnung sie vorbeikommen zu lassen resultierte auch mit ihrem Besuch. Ca 10 Uhr morgens war es. Sie wollte für uns erst einen Tag später verreisen um bei einer möglichen Geburt bei mir zu sein. Ihrer Meinung nach konnte es auch noch länger dauern und sie riet uns zu Hause zu bleiben und die Zeit zu genießen. Wir sollten uns melden wenn es doch weiter voran schreiten sollte. Kurz nach ihrem Verlassen der Wohnung platzte die Fruchtblase und wie von der Hebamme vorher erklärt wäre die Badewanne eine Option zur Entspannung. Dort blieb ich auch und wehte weiter gut unterstützt mit Getränken von meinem Partner der mich auch fest hielt unter den Wehen, da ich immer unterzugehen schien wenn ich entspannt veratmete.
Gegen 14:40 wollte ich dann ins Geburtshaus und das Telefonat mit der Hebamme ließ uns ein Treffen dort um 15:30 ausmachen.
Mein Versuch aus der Wanne auszusteigen resultierte in einer Presswehe und ich schaffte es aus der Wanne raus und wartete dort bis die Hebamme nun auf dem Weg zu uns bei uns war. Obwohl sie nun schnell versuchte eine 2. Hebamme in der Nähe aufzutreiben die vorbei kam und sie meinen Partner zu ihrem Auto schickte um die Hausgeburtsbox und einen Geburtshocker zu holen, fühlte ich mich sehr getragen und sicher. Mir war klar wir blieben und ich war völlig glücklich damit, weil ich hatte eine Hebamme die ich mochte und der ich vertraute an meiner Seite. Es dauerte bis 15:20 bis die 2. Hebamme kam und noch eine Hebammenschülerin an der Hand. Alle waren sehr respektvoll, ruhig, saßen auf dem Boden während ich auf dem Geburtshocker thronte und auf die nächste Presswehe wartete. Die schnellen Vorbereitungen die getroffen wurden wie Vorhänge schließen, Licht gedämmt, heißes Wasser, Papier und Stifte zum dokumentieren habe ich erst nach der Geburt um 15:34 bemerkt und konnte nicht glauben wieviel Routine, Würde und Respekt diese 3 Hebammen ausstrahlten. Kein einziges Mal fühlte ich mich verlassen, zu etwas gedrängt was ich nicht wollte, ich wurde gefragt und aufgeklärt bevor Prozedere stattfand und mir wurde auch nicht gesagt ich möge bitte Pressen. Die Stille bevor die letzte Presswehe kam werde ich nie vergessen. Der Moment in dem ich alle anschaute und sie mich lächelnd und wortlos ermutigten und ich gehalten von meinem Partner es vollbrachte meinen Sohn zu gebären-eingebrannt in mein Gehirn für immer.

Eine ungeplante Hausgeburt ist hier grandios gewesen und die nächste Geburt würde dann eine geplante sein sofern ich eine Hebamme finde!

 
julinka , hildesheim

Meine Mutter hatte mich und meine Geschwister alle im Geburtshaus oder zu Hause spontan in Begleitung von Hebammen geboren und schon dadurch war mir klar, dass ich nicht ins Krankenhaus gehen würde. Dass die derzeitige Situation in Hildesheim und Umgebung allerdings so gravierend ist und mir nur eine, letzendlich meine, Hebamme bekannt gemacht wurde, die eine Hausgeburt begleitet und somit alle Hände voll zu tun hat, war mir vorher nicht klar. Ich bin meiner Hebamme sehr dankbar, dass sie mich, neben vielen anderen Frauen betreut hat und hoffe, dass sich in Zukunft diese Situation verbessern wird. Es kann nicht sein, dass in den Köpfen der Menschen eine Reihe merkwürdig negativer Assoziationen rund um das wohl wichtigste Thema der Welt, das Geboren werden, existieren und es scheinbar für viele klar ist, dass ein Kind im Krankenhaus geboren werden muss - alles andere wäre zu gefährlich.
Schon in der Schwangerschaft werden große Sorgen und Ängste erschaffen, indem frau sich sämtlichen Untersuchungen unterziehen kann, die mögliche Risiken abklären. Das Vertrauen in den eigenen Körper und die wunderbare Fähigkeit, Leben hervorbringen zu können, wird traurigerweise dadurch stark in Frage gestellt.
Der Kontakt mit Hebammen in der Vorsorge, bei der Geburt und nun in der Nachsorge hat mir immer wieder gezeigt, dass neben all dem urgewaltigen Zauber Kinder kriegen etwas ganz normales ist.
Meine Hebamme hat während meiner Geburt nichts Besonderes getan. Ich war diejenige, die gearbeitet hat und doch hat mir ihre ruhige, beobachtende Präsenz immer wieder gezeigt, dass alles gut ist, so wie ich es gerade tue und mir Mut gemacht, dass ich fähig bin, diesen gigantischen Fußball tatsächlich aus mir herauszubekommen. Und genau dieses scheinbare Nichtstun macht den Hebammenberuf so wertvoll. Bei einer Geburt kann es natürlich immer mal wieder notwendig sein, von außen eingreifen zu müssen, um nicht das Leben zu gefährden. Aber es ist fraglich, ob dies eine Routinehandlung sein sollte. Eine Hebamme übt sich in der Kunst, die Dinge zu beobachten und sie gewissermaßen sein zu lassen, bis ihr vielleicht mal etwas komisch vorkommt. Dann bleibt meist immer noch Zeit, um in die Klinik zu wechseln.
Bei meiner Hausgeburt war ich weit davon entfernt, in die Klinik zu müssen. Ich hab mein Heim schön gemacht, Kerzen schienen, es hat vertraut gerochen, es lief ruhige Musik und die zwei Menschen, die bei mir waren, haben mich liebevoll umsorgt. Nach der Geburt kam mir die Vorstellung derart abwegig vor, die Wehenphasen zu unterbrechen, um ins Krankenhaus zu düsen und dann "richtig loslegen zu können". Stattdessen konnte ich einfach an dem Ort bleiben, wo ich sein wollte und nun, fünf Tage nach diesem Ereignis umschwebt den Raum, wo mein Kind zur Welt kam, immer noch eine besondere Atmosphäre. Ehrfurcht könnte man es nennen. Ich habe keine Erfahrungen mit Krankenhausgeburten, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass sich solche Begebenheiten dort so gut realisieren lassen.
Ich wünsche jeder Frau, dass, sofern sie es wünscht, ihr eine Hebamme zur Seite steht und die Selbstbestimmung erhalten bleibt, gebären zu können, wo sie es möchte.

Charlotte Fraedrich
 
Charlotte Fraedrich , Bonn

Nachdem meine Frau 2015 unsere Tochter in einem Krankenhaus mit 4 verschiedenen Hebammen, wegen der Schichtwechsel zur Welt gebracht hatte, war für mich klar, dass unser Sohn mit Hilfe einer Beleghebamme geboren werden soll. Die tollen Hebammen kannten wir zum Glück bereits aus Vor- und Nachsorge, und die beiden waren dann die ersten, die von meiner Schwangerschaft erfuhren! Puh, das war schon mal gesichert. Wir waren sehr froh, da wir in der Schwangerschaft meiner Frau leider zu spät dran waren, da uns niemand über den Mangel an Beleghebammen aufgeklärt hatte.

Da ich eine tolle Schwangerschaft hatte und mich durchweg fit gefühlt habe, wurde die Idee einer Hausgeburt in mir geweckt. Da es jedoch meine erste Geburt war, wusste ich garnicht, ob dies überhaupt in Frage käme. Also beriet ich mich immer wieder mit meinen beiden Hebammen darüber und sie klärten mich in mehreren Terminen über Vorgehen, Risiken und Möglichkeiten auf. Ich hielt mir meine Optionen bis zum Tag der Geburt offen und entschied mich erst an dem Tag der Geburt.

Mein großer Tag sollte dann am Vorabend mit einem Blasensprung beginnen, nach Beratung mit meiner Hebamme, konnte ich die Nacht noch versuchen zu schlafen und sie freute sich schon über eine Tag-Geburt am darauffolgenden Tag. Und sie sollte Recht behalten. Ab 4:30Uhr hatte ich dann regelmäßige Wehen. Zunächst mussten wir aber noch unsere 1-jährige Tochter zu unseren Eltern fahren. Das übernahm zum Glück mein Frau. Ab ca 10Uhr ging es dann offiziell mit 3cm Muttermund in die Geburt. Noch im Verlauf des Tages fragte mich meine Hebamme erneut, ob ich zu Hause oder in der Klinik entbinden wolle, da der letztmögliche Zeitpunkt einer Verlegung näher rückte. Ich fühlte mich gut und vor allem in den besten Händen, so dass sie ihre Partnerin zur Hausgeburt hinzurief.
Um 17:52 Uhr kam dann unser Sohn in unserem Wohnzimmer zur Welt und ich nahm ihn auf unserem Sofa liegend in Empfang.
Leider hatte ich einen hohen Scheidenriss, der an einer so ungünstigen Stelle war, dass ich doch noch ins Krankenhaus musste, um dort genäht zu werden.
Dennoch würde ich diese Entscheidung immer wieder so treffen. Die Geburt an sich im behüteten zu Hause war so entspannt und schön, dass der Wermutstropfen der ersten gemeinsamen Nacht im Krankenhaus erträglich ist.

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Judith , Nürnberg

2014, mit meinem Sohn schwanger, war mir direkt klar das eine Krankenhaus Geburt für mich nicht das idealste sein würde.
Was Freundinnen und Verwandte von ihren Krankenhaus Erlebnissen erzählten war meist unschön oder sogar miserabel.
Dazu kam noch meine persönliche Phobie vor all den Keimen, Krankheiten und Eingriffen (Zugang, etc).
Wir haben uns dann trotzdem Kliniken angesehen, die alles sehr schön beschrieben, wenn ich aber Frauen fragte die dort entbunden hatten, klang alles ganz anders!
Daher waren wir recht entschlossen ins Geburtshaus zu gehen.
Im Verlauf der völlig problemlosen Schwangerschaft fragte dann meine Hebamme warum ich denn nicht Zuhause mein Kind bekommen wolle?
Eine neue Idee. Die beste überhaupt! Obwohl alle in unseren Familien uns für verrückt hielten und große Sorgen hatten.

In 7 Stunden war mein Süßer trotz 4800 Gramm und 39 cm Kopf ohne Verletzungen da!

Kein Wunder das ich nun 2016, mein zweites Kind ebenso behütet und geborgenzur weWelt bringen wollte.

Aus Angst meine ganz wunderbare Hebamme könnte ausgebucht sein, sicherte ich mir ihre Hilfe schon mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand.

Erste Hürde genommen! Aber dann neue Regeln zur Hausgeburt ...
Mein Arzt der nicht glauben konnte das ich ohne Probleme so große Kinder bekomme, und ständig Untersuchungen vorschlug oder Alarmzeichen sah.
Auch berechnete er den Termin mit einem 30 Tage Zyklus, obwohl ich extra sagte das meine Zyklen immer länger waren!

Meine Hebamme beruhigte mich und ermunterte mich immer wieder einfach gelassen zu bleiben. Ändern konnte ich es eh nicht.
Dann der Termin rückt näher. Die Rufbereitschaft läuft, ich halte es kaum noch aus.
2 Tage vor Termin, der Termin vetstreicht, meine Hoffnung mein Kind so bekommen zu dürfen wie ich es will, schwinden.
Ich bin frustriert, wütend und traurig. Wieso darf man mir ohne wirklichen Grund verbieten selbstbestimmt für mich und mein Kind zu entscheiden?
Diese Tage waren stressig und psychisch sehr belastend.
Der zweite Tag über Termin neigt sich. Morgen ist es vorbei. Dabei ist alles perfekt. Alles weich, Gebärmutterhals verstrichen, Muttermund dehnbar. Keine produktiven Wehen.
Doch dann beim Abendessen mit dem 'Großen', schmerzhafte Wehen!
Aufregung! Freude! Oh je, schaff ich das nochmal so gut?
Ich kann mich allen positiven Geschichten hier nur anschließen.
Ich selbst habe keine Klinik Geburt erlebt, aber ich glaube kaum das es so behutsam, selbst bestimmt und entspannt sein kann wie Zuhause!

5 1/2 Stunden, dann war mein Mädchen mit 4600 Gramm und 36 cm Kopf da.
Wieder ohne Verletzung. Ich bin so dankbar!

Aber ich verstehe nicht warum auf die Hausgeburt so eine Hexenjagt gemacht wird.
Warum wird eine Frau die diese Entscheidung sorgfältig abwägt und mit einer verantwortungsvollen Hebamme klärt, so unter Druck gesetzt?
Nicht das es vor diesen neuen Regeln einfach gewesen wäre.
Ich würde mir wünschen das endlich jemand der dazu entscheiden kann ein einsehen hat und den Hebammen und mündigen Frauen Gehör schenkt!

 
Simone , Hidesheim

Von Anfang an war für mich klar, dass ich zu Hause entbinden wollte. Ein Krankenhaus war für mich keine Option. Ich wusste damals noch kaum Geschichten, die mir Angst gemacht hätten in eine Klinik zu gehen, aber die Vorstellung bei einem so intimen Moment nicht zu Hause zu sein, behagte mir nicht.
Inzwischen habe ich drei Kinder, alle zu Hause geboren. Inzwischen haben meine Freundinnen auch fast alle Kinder und ich kenne viele schlimme Geschichten aus den Kliniken, wo in Geburten eingegriffen wird, um alles zu beschleunigen, wo hausgemachte Probleme die Wöchnerinnen zu Hause noch lange belasten und Entscheidungen, in die nicht die Eltern miteinbezogen werden, sondern die Ärzte alleine treffen.
Ich bin meinen Hebammen unendlich dankbar für die Möglichkeit zu Hause zu entbinden. Ich weiß, dass meine Hebamme, die vor 14 Tagen meine Tochter Thea zur Welt gebracht hat, so viele Nachfragen nach Hausgeburten hat, dass sie nicht alle annehmen kann. Das macht mir Angst, denn für mich war die Selbstbestimmung über meinen Geburtsort sehr wichtig. Es gibt im Raum Hildesheim, Hannover, Braunschweig nur noch zwei Hebammen, die Hausgeburten begleiten. Das ist absolut zu wenig!
Bei meinem zweiten Kind Anna hatte ich eine andere Hebamme, da die andere im Urlaub war und ich schon zwei Wochen über dem Termin war. Ich war schon etwas nervös und mein Umfeld fing an sich kritisch über meine Entscheidung zu warten zu äußern. Aber diese wunderbare Hebamme war ganz entspannt, hat mir die Angst genommen und hat mich bis zur Geburt in Ruhe begleitet.
Mein erstes Kind Georg war ein Sterngucker. Ich presste die ganze Nacht und es ging nicht vor und nicht zurück. Im Krankenhaus hätten sie mir diese Zeit nicht gegeben und ihn wahrscheinlich mit der Saugglocke geholt. Mit meiner Hebamme ging es auch so. Sie kontrollierte immer wieder die Herztöne, machte mir Mut, drohte mir, dass sie mich ins Krankenhaus bringen würde, wenn es nicht weiter gehe und half mir so meine letzten Kräfte zu mobilisieren, um ihn auch so auf die Welt zu bringen.
Insgesamt habe ich um die Geburten meiner Kinder 6 verschiedene Hebammen kennengelernt, die mich alle sehr beeindruckten. Sie haben ein gut funktionierendes Netz untereinander und von jeder habe ich tolle Tips und Hilfe bei Problemen, wie Nachwehen, Milcheinschuss, Verstopfung, Blutverlust, usw...bekommen.
Ich empfinde es als Geschenk, dass ich alle Kinder zu Hause bekommen konnte und es tut mir sehr leid für alle Mütter, die aus einem Mangel an Hebammen keine Hausgeburt machen können. Für mich wäre es sehr schlimm gewesen ins Krankenhaus zu müssen. Freie Geburtsortwahl für alle und ein Hoch auf diese mutigen Frauen, die sich trotz der schikanösen Versicherung trauen uns zu Hause zu begleiten. Das ist unbezahlbar!

Carola Ferch
 
Carola Ferch , Hamburg

15.12.2012

2 Tage nach dem errechneten Geburtstermin. Ich warte auf die Geburt unseres vierten Kindes. Abende voller harmloser Wehen lagen hinter mir. Das macht mürbe. Ich habe oft geweint.

Am Samstagmorgen machen wir uns fertig für den Einkauf auf unserem Biobauernhof. Ich habe plötzlich die Phantasie einer Sturzgeburt im Stall. Und irgendwie will ich nicht raus in die rutschige Winterkälte. Ich lass die Familie alleine fahren. Dafür backe ich den ganzen Vormittag Lebkuchenanhänger für den Weihnachtsbaum. Zwischendurch vergewissere ich mich bei Nachbarn und Freunden, wer am Wochenende tagsüber Zeit hätte, auf die Kinder aufzupassen, falls die Geburt beginnt.

Am Abend, nachdem wir die die beiden Kleinen ins Bett gebracht haben, schauen wir mit dem Teenie einen Weihnachtsfilm. Ich habe alle 10 Minuten Wehen, die auch schön nach unten ziehen. Mir schwant etwas. Um 23 Uhr gehe ich 20 Minuten lang heiß duschen, um zu testen, ob danach die Wehen weg sind oder stärker werden. Ich verbrauche fast meine ganze Tube Weleda-Lavendeldusche. Ergebnis: die Wehen kommen alle 5 Minuten, sind aber viel zu kurz. Ich glaube nicht daran, dass das etwas bringt. Der Liebste drängt mich, trotzdem die Hebamme anzurufen. Ich scheue mich immer ein bisschen davor, jemanden mitten in der Nacht aus dem Bett zu klingeln. Aber ich rufe um 23.45 Uhr dann doch an. Die Hebamme begrüßt mich am Telefon fröhlich mit "Guten Morgen!". Sie will sich fertigmachen und in ca. 45 Minuten bei uns sein. Wir kochen starken Kaffee für den Dammschutz, eine Kanne Tee für mich und bereiten unser Schlafzimmer vor: die Gymnastikmatte auf den Boden, einen Stapel Handtücher zum Wickeltisch.

Um 00:20 Uhr am Sonntagmorgen trifft die Hebamme bei uns ein. Ich laufe in der Wohnung umher, muss mich aber alle 3 Minuten auf unserem Esstisch abstützen, weil ich Wehen veratmen muss. Ist mir viel zu oft. Im Schlafzimmer schaut die Hebamme nach dem Muttermund. 3 Zentimeter geöffnet. 3 Zentimeter ??? Erst ??? So einen schwachen Befund hätte ich nun gar nicht erwartet. Ist mir ja noch nie passiert! Ich bin etwas geknickt. Das kann ja noch ewig dauern! Das gefällt mir gar nicht. Die Hebamme spricht mir Mut zu, aber ich muss immer nur an die blöden 3 Zentimeterchen denken.
Die Wehen lassen mir nun allerdings fast keine Pausen mehr. Gerade so schaffen wir zwischen den Wehen meinen Blutdruck zu messen, die Herztöne des Babys zu hören oder Fieber zu messen. Immer schneller kommen die Wehen. Schon nach kurzer Zeit merke ich diesen Pressdrang. Ich denke aber immernoch, dass ich noch meilenweit von meinem Baby entfernt bin. Ich stehe am Wickeltisch, die Hebamme sitzt hinter mir auf unserem Bett und der Liebste steht neben mir und streichelt meinen Rücken. Zwischen den Wehen stehe ich aufrecht, schwinge von einem Bein aufs andere und wir unterhalten uns. Während einer Wehe stütze ich mich auf den Unterarmen auf, lege meinen Kopf mit der Stirn auf eine kleine Decke und atme und töne in die Wickelunterlage.

Die Wehen, die nun kommen, sind sehr heftig. Meine Beine fangen an zu zittern und ich stehe auf Zehenspitzen. Die Hebamme erinnert mich daran, meine Füße richtig zu erden und drückt mit ihren warmen Händen fest gegen meinen Hintern. Ich jammere und stehe völlig neben mir. Da ist nur noch dieser unheimliche Druckschmerz und der Pressdrang, was für mich nicht zusammenpasst. Ich weiß den Stand der Dinge nicht. Ich weiß nur, dass ich das nicht mehr lange mitmache. Ich schimpfe. Ich höre den Liebsten und die Hebamme laut atmen und pusten, um mich an meinen eigenen Atem zu erinnern.

Und da hat die Hebamme etwas gesagt. Ich muss nachfragen, weil ich es nicht richtig gehört habe. "Der Kopf ist da!" Ich kann es gar nicht glauben. Dann ist es ja gleich geschafft! Die nächste Wehe lässt auf sich warten. Und so stehe ich da mit diesem Druck und kann es kaum abwarten, dieses erleichternde Gefühl zu erleben, wenn dieses Lebewesen komplett aus mir herausrutscht. Eine Wehe noch! Die allerletzte! Und da kommt das Baby und wird aufgefangen von der Hebamme. Ich liege mit dem Oberkörper auf dem Wickeltisch und muss erstmal Luft holen und die Sternchen vor meinen Augen loswerden. Es ist 1:20 Uhr am Sonntagmorgen.

Der Kleine hat die Nabelschnur zwei Mal um den Hals gewickelt und wird erstmal entwirrt. Dann reicht mir die Hebamme das Baby zwischen meinen Beinen hindurch, ich nehme es hoch und setze mich auf die Bettkante. Nass, warm und unendlich weich liegt er da, unser Adventsjunge. Er ist ganz ruhig und wir geben ihm Zeit, anzukommen. Dann lege ich mich ins Bett und wir staunen einfach nur.

Es ist geschafft!

Wir lassen die Nabelschnur auspulsieren und warten auf die Nachgeburt. Erst wenn auch der Mutterkuchen da ist, gilt eine Geburt als vollständig. Um die Sache zu erleichtern, stelle ich mich nochmal hin. Das Baby legen wir gut eingewickelt vor mich auf den Wickeltisch und nach einer kleinen Weile kommt auch die Plazenta. Wir ziehen wieder aufs Bett um. Ich schneide die Nabelschnur durch. Das war das erste Mal, dass ich das gemacht habe. Sie ist erstaunlich hart. Die Hebamme schaut sich anschließend die Plazenta ganz genau an, denn die muss komplett sein. Dann sind wir neugierig und der Kleine wird vermessen: 51cm, 3820g, 35,5cm Kopfumfang sind seine Daten.

Unglaublich, wie schnell die Geburt jetzt doch ging! Wir quatschen und kuscheln. Die Hebamme füllt Papiere aus und räumt auf. Um kurz vor 4 Uhr verlässt sie uns. Der Liebste und ich machen uns bettfertig und versuchen mit dem Baby in unserer Mitte ein bisschen zu schlafen.

Um 7 Uhr kommt die Tochter im Dunkeln an mein Bett. Ich flüstere ihr zu, dass sie doch mal meine Salzkristalllampe auf dem Nachttisch anmachen soll, weil es eine Überraschung gibt. Sie schaltet das Licht an und lacht und staunt. Ihren Blick werde ich nie vergessen, besser als an Weihnachten zur Bescherung. Ich lasse sie mit unter meine Decke und wir begucken das neue Familienmitglied. Eine halbe Stunde später ist auch der kleine... äh... große Bruder wach und ist völlig begeistert. Dann wird der Teenie aus dem Bett getrommelt und später liegen wir zu sechst auf unserem Bett. Sechs!

Es ist der 3. Adventssonntag und wir haben alle Zeit der Welt.

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