Antworten zur Akademisierung des Hebammenberufs

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Vorurteile widerlegen

Antworten zur Akademisierung des Hebammenberufs

Eine so tiefgreifende Reform wie die Akademisierung des Hebammenberufs ist natürlich mit Befürchtungen, aber auch mit Vorurteilen verbunden. Einige davon erreichen uns immer wieder – hier beantworten wir sie.

„Hebammen haben doch schon genug Probleme. Jetzt sollen wir auch noch studieren?“

Dass die bevorstehende Berufsreform Aufwand und Anstrengungen mit sich bringt, wird sich nicht vermeiden lassen. Doch die Akademisierung wird die Situation der Hebammen und der Geburtshilfe voraussichtlich klar verbessern. Denn für die Kompetenzen, die Hebammen heutzutage erlernen müssen, ist eine Ausbildung auf akademischen Niveau durchaus notwendig. Zudem haben akademische Berufe einen anderen Stellenwert im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft.

„Durch die Akademisierung werden deutsche Hebammen auch nicht konkurrenzfähiger in Europa.“

Wahr ist, dass die akademische Ausbildung zur Hebamme in einigen EU-Ländern andere Inhalte und Ziele hat als bei uns. Obwohl sie studiert haben, sind Kolleginnen aus manchen Ländern dann nicht gut auf eine Berufstätigkeit bei uns vorbereitet, da in Deutschland eigenständiger gearbeitet wird und es hierzulande eine ausgeprägte außerklinische, freiberufliche Tätigkeit gibt. Im Umkehrschluss ist es eine echte Diskriminierung der Hebammen aus Deutschland, dass sie trotz dieser Kompetenzen einen formal niedrigeren Abschluss haben als die Kolleginnen aus Ländern, in denen der Beruf bereits studiert wird.

„Hebammen lernen an der Uni doch nur Theorie. Das echte Handwerk wird da nicht vermittelt.“

Das Studium für Hebammen soll wie die Ausbildung dual sein und einen sehr hohen Praxisanteil haben. Anders als in der derzeitigen, sehr veralteten Ausbildungsstruktur sollen die praktischen Einsätze dabei auf die wirklich sinnvollen und notwendigen reduziert werden. Die Ausbildungsqualität wird sogar noch verbessert, da eine Praxisanleitung durch qualifizierte Hebammen verpflichtend werden soll. Und generell gilt, dass Wissen an Hochschulen bereits jetzt sehr stark praktisch vermittelt wird, unter anderem durch Skills-Trainings und Simulationen.

„So viel Wissenschaft ist nicht nötig für Hebammen. Wir arbeiten mit den Händen!“

An Hochschulen wird Fachwissen grundsätzlich wissenschaftlich begründet und hinterfragt. Das hilft unter anderem dabei, bessere Argumente gegen und für Interventionen und Eingriffe anzuführen. Außerdem können durch die Akademisierung mehr hebammenspezifische und frauenorientierte Themen wissenschaftlich bearbeitet werden – das wird die bislang ärztlich und medizinisch dominierte Forschung in der Geburtshilfe stark verändern. Die Hebammenarbeit und unser Beruf werden dadurch stärker, nicht schwächer.

„Wer braucht schon zwei Akademiker am Bett?“

Jede Frau braucht bei einer Geburt die bestmögliche Unterstützung. Hebammen und Ärztinnen oder Ärzte haben unterschiedliche Aufgabenfelder; studierte Hebammen können Ärztinnen oder Ärzten im Kreißsaal auf Augenhöhe begegnen, indem sie ihr Handeln wissenschaftlich begründen und auf die Hebammenforschung verweisen können.

„Durch ein Studium wird die Geburtshilfe immer verkopfter.“

Eine wissenschaftliche Ausbildung wird nicht zu weniger empathischen Hebammen führen. Gerade bei den akademischen Berufen gibt es viele soziale, auf Dienstleistung und Zusammenarbeit orientierte Berufe, etwa Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen oder Juristinnen und Juristen.

„Es gibt ja jetzt schon zu wenig Hebammen. Durch das Studium werden es sicher noch weniger, weil die Hürde größer ist.“

Es stimmt zwar, dass sich aktuell immer weniger Frauen zur Hebamme ausbilden lassen. Mit einer vollständigen Akademisierung wird der Beruf jedoch an Attraktivität gewinnen. Denn die jetzige Situation mit unklarem Ausbildungsweg und fehlender automatischer EU-Anerkennung schreckt potenzielle Bewerberinnen und Bewerber eher ab; zudem verlieren wir derzeit zahlreiche Interessentinnen und Interessenten, für die eine berufsfachschulische Ausbildung nicht in Frage kommt. Die anstehende Reform ist nach heutigen Erkenntnissen also ein Weg, den Nachwuchs zu sichern.

„Realschülerinnen können künftig keine Hebamme mehr werden.“

Der Hebammenberuf hat sich inhaltlich so stark entwickelt, dass eine berufsfachschulische Ausbildung nach zehn Jahren Schulbildung nicht mehr genügt. Damit Hebammen auch in Zukunft die bestmögliche Ausbildung bekommen, fordern die WHO und die EU, dass der Beruf künftig an Universitäten erlernt werden soll, wofür eine zwölfjährige allgemeine Schulbildung nötig ist. Aber auch Menschen mit Mittlerem Schulabschluss können an Hochschulen studieren – Möglichkeiten dazu wurden in den letzten Jahren in allen Bundesländern geschaffen. Zusätzlich besteht ja auch immer die Möglichkeit, das Abitur oder Fachabitur noch nachträglich zu erwerben.

„Nach der Akademisierung wollen alle nur noch studieren. Niemand wird mehr im Kreißsaal arbeiten wollen.“

Studien weisen darauf hin, dass Hebammen mit Studienabschluss mindestens so häufig im Kreißsaal tätig sind wie ihre Kolleginnen mit fachschulischer Ausbildung. Zudem haben wir unter den jetzigen Bedingungen eine hohe Berufsflucht, die durch den Erwerb eines akademischen Abschlusses gebremst werden kann. Denn ein solcher eröffnet neue Entwicklungsmöglichkeiten und schafft damit einen Anreiz, länger im Beruf zu bleiben.

„Hebammen mit Studium verdienen künftig viel mehr.“

Tarifliche Eingruppierungen im Kreißsaal sind an die konkrete Tätigkeit gebunden – unabhängig vom formalen Abschluss. Daher verdienen Hebammen mit Studium nicht automatisch mehr. Genau dasselbe gilt für die freiberufliche Tätigkeit. Sollten Hebammen mit Bachelorabschluss jedoch auch andere Aufgaben übernehmen, die sie im Rahmen des Studiums erlernt haben, werden sie ihre Eingruppierung anders verhandeln können. Das kann dann in der Tat zu höheren Löhnen führen. Der DHV wird sich dafür einsetzen, dass Kolleginnen mit berufsfachschulischer Ausbildung die zusätzlichen Aufgaben über Fortbildungen ebenfalls erlernen und anbieten können.

„Als Hebamme ohne Studienabschluss bin ich dann nicht mehr gut genug.“

Jede Hebamme ist eine vollwertige Hebamme, ungeachtet des Abschlusses. Berufserfahrung und Weiterentwicklung sind auch mit der Akademisierung nicht weniger wert. Lernen ist ein lebenslanger Prozess, ganz gleich, ob dieser mit einer Ausbildung oder mit einem Bachelor begonnen hat. Und tatsächlich kann die Vielfalt unterschiedlicher Lern- und Berufswege dazu führen, dass sich im fachlichen Austausch alle Hebammen weiter entwickeln. Darüber hinaus setzt sich der DHV dafür ein, dass eine formale Gleichwertigkeit zwischen Hebammen mit „altrechtlicher Ausbildung“ und solchen mit dem neuen Ausbildungsweg an der Hochschule gewährleistet wird. Jede Berufsurkunde behält selbstverständlich ihre volle Anerkennung.

„Die Akademisierung wird die Hebammenschaft spalten.“

Für die Bewertung von Kompetenzen und die Wertschätzung, die wir unseren Kolleginnen entgegen bringen, sind wir in erster Linie selbst verantwortlich. Wir sollten uns nicht auseinanderdividieren lassen, sondern die Vielfalt und die Verbesserungen in der Hebammenausbildung begrüßen. Die Erfahrungen aus der Schweiz zeigen, dass wir dabei aufkommende Konflikte offen kommunizieren und konstruktiv im Team bearbeiten sollten, um gestärkt aus dem Reformprozess hervorzugehen.

„Was passiert mit den Hebammenschulen? Die arbeiten doch auf hohem Niveau.“

Zukünftige Hebammen müssen auf akademischem Niveau ausgebildet werden, um mit den Entwicklungen im Gesundheitsbereich und in der Geburtshilfe mithalten zu können. Eine Berufsfachschule – auch eine sehr gute – ist dafür jedoch nicht die geeignete Institution, da an ihr kein akademischer Beruf entwickelt werden kann. Daher können die Schulen nicht für die Hebammenausbildung erhalten werden.

„Und was passiert mit den Lehrenden?“

Die Lehrenden an den Hebammenschulen sind auch in Zukunft von großer Bedeutung für die Berufsausbildung, unter anderem für die Lehre an den Hochschulen und zur Planung und Gestaltung der praktischen Ausbildung im dualen Studium. Ein Großteil der Lehrenden verfügt darüber hinaus selbst über einen akademischen Abschluss. Wer sich von ihnen zu einer Promotion entschließt, kann entscheidend dazu beitragen, die vorhandene Expertise an den Hochschulen zu erhalten. Für die wenigen Lehrenden ohne Studienabschluss können zudem andere Optionen individuell geprüft werden.

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