Antworten zur Akademisierung des Hebammenberufs

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Behauptet wird... Wahr ist...

Faktencheck zur Akademisierung des Hebammenberufs

Hebammen in der Klinik

© DHV, H.C. Plambeck

Hebammen sind im deutschen Gesundheitswesen einzigartig. Sie begleiten umfassend und verantwortungsvoll eine der intensivsten Zeiten des Lebens. Dabei arbeiten sie selbständig, unabhängig – und bereits heute auf akademischem Niveau.

Natürlich entwickelt sich der Hebammenberuf über die Jahrzehnte weiter. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die medizinische Forschung nehmen immer wieder großen Einfluss auf die Ausbildung und auf die tägliche Arbeit. Das bedeutet ein immer komplexeres Wissen und eine immer größere Verantwortung. Deshalb ist es höchste Zeit, dass sich das auch in der Berufsausbildung widerspiegelt.

Für den DHV ist die Akademisierung eine große Chance, unseren Beruf zukunftssicher zu machen. Sie ist aber auch eine große Herausforderung, die wir als Gesellschaft gemeinsam meistern müssen. Zu den Fragen und Voruteilen, die so ein Prozess mit sich bringt, haben wir die wichtigsten Antworten zusammengestellt.

Im Jahr 2018 hat sich die Zahl der Hebammen in Ausbildung von 2.486 auf 3.055 Auszubildende erhöht, die Zahl der Studierenden von 300 auf 400. Derzeit starten rund 1.000 Absolventinnen und Absolventen jedes Jahr ihre Berufstätigkeit als Hebamme.

Behauptungen im Faktencheck

Was bringt die Akademisierung denn überhaupt?

Behauptet wird, dass die Akademisierung kaum Verbesserungen für den Beruf der Hebamme bringen wird.

WAHR IST, dass die Chancen für eine positive Entwicklung des Berufes mit der Akademisierung größer sind. Der DHV sieht folgende positive Entwicklungen:

  • Die Ausbildung wird besser und ist an die gestiegenen Anforderungen in der Versorgung von Mutter und Kind angepasst. Die Versorgung wird damit verbessert werden können.
  • Verstärkte Forschung durch Hebammen wird den Frauen und Familien eine Stimme geben, da sich Hebammen mit ihren Forschungsfragen mehr an den Bedürfnissen der betreuten Frauen orientieren und sich anders damit auseinandersetzen als die bisher überwiegend medizinisch ausgerichtete Forschung.
  • Hebammen bekommen bereits im Studium mehr vermittelt und müssen sich diese Kompetenzen nicht mehr eigenständig nachträglich erarbeiten (Qualitätsmanagement, das Lesen von wissenschaftlichen Arbeiten und Leitlinien, etc.)
  • Der Stellenwert des Berufes wird sich verbessern, wenn die Ausbildung als erster Gesundheitsberuf neben den Ärztinnen und Ärzten vollständig an der Hochschule verortet ist.
  • Mittel- bis langfristig sind Steigerungen beim Einkommen leichter verhandelbar.
  • Der Beruf wird für die heutigen Schulabgänger attraktiver (Trend zum Abitur und zum Studieren).
  • Masterstudiengänge können die persönliche Entwicklung der Kolleginnen stärken und den Beruf attraktiver machen.
  • Die höheren Anforderungen im Studium können dazu beitragen, dass Hebammen sich besser gerüstet fühlen für die Verantwortung im Beruf und die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten einfacher gestalten können.
  • Wir sind nicht länger Schlusslicht in der EU und erfüllen als eines der letzten Länder mit entwickeltem Gesundheitssystem die Forderungen der WHO.
  • Unser Abschluss wird wieder automatisch in der EU anerkannt.

 

Behauptet wird, dass die Akademisierung bedeute, die Hebammenschulen seien keine guten Ausbildungsstätten gewesen.

WAHR IST: Die Hebammenschulen und ihre Lehrenden haben seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit geleistet. Dies allerding nur in dem Rahmen, der ihnen möglich war und ist. Die durch die EU vorgegebenen Zulassungsvoraussetzungen zur Hebammenausbildung und die inhaltlichen Anforderungen sind nur an Hochschulen umzusetzen. Auf die geforderten 12 Jahre allgemeine Schulbildung (Sekundarbereich II) darf nur der Tertiäre Bereich, also eine hochschulische Bildung, folgen. Inhaltlich ist die Anforderung, genaue wissenschaftliche Kenntnisse zu vermitteln, ebenfalls im Bildungssystem nur auf hochschulischem Niveau umzusetzen. Berufsfachschulen sind damit keine geeignete Institution mehr, und der Mittlere Schulabschluss ist nicht mehr möglich als Zugangsvoraussetzung, und eignet sich ohnehin nicht als Grundlage, um genaue wissenschaftliche Kenntnisse zu erwerben.

Kein Praxiswissen, nur noch Theoriekram?

Behauptet wird: „Hebammen lernen an der Uni doch nur Theoriekram.“

WAHR IST: Die hochschulische Ausbildung für Hebammen wird einen sehr hohen Praxisanteil haben und theoretisches und praktisches Lernen werden miteinander verzahnt. Das Studium soll wie die Ausbildung dual und praxisintegrierend sein. Die derzeitige praktische Ausbildung von Hebammen ist sehr veraltet. Es fallen viele überflüssige Einsätze an, es gibt keine Regelungen zur qualifizierten Praxisanleitung. Werdende Hebammen haben Einsatzzeiten, die nicht zur eigentlichen Ausbildung genutzt werden. Mit der neuen Gestaltung der Ausbildung durch die Akademisierung sollen diese überflüssigen Einsätze wegfallen. Eine Praxisanleitung durch qualifizierte Hebammen soll verpflichtend werden und sogar 25 Prozent der Einsatzzeit umfassen. Das bedeutet: die praktische Ausbildung wird sogar verbessert.

 

Behauptet wird: „Alle wollen nur noch studieren. Niemand wird mehr im Kreißsaal arbeiten wollen.“

WAHR IST: Bisherige Evaluationen des Berufswegs von Hebammen mit Studienabschluss weisen darauf hin, dass diese Kolleginnen mindestens so häufig im Kreißsaal tätig werden wie die Kolleginnen mit fachschulischer Ausbildung. Wenn alle Hebammen mindestens einen Bachelor erwerben, ist der Bachelor der Weg in die normale praktische Berufstätigkeit. Wir haben unter den jetzigen Bedingungen eine hohe Berufsflucht aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen. Ein besserer Status von Hebammen aufgrund eines akademischen Abschlusses könnte die Situation verbessern. Hebammen sind damit besser auf die anspruchsvolle Berufstätigkeit vorbereitet und haben mehr Entwicklungsmöglichkeiten – eine wichtige Basis, um sich im Beruf einzubringen.

 

Behauptet wird, dass die Geburtshilfe durch ein Studium immer verkopfter wird.

WAHR IST: Eine wissenschaftliche Ausbildung führt nicht zu verkopften und auch nicht zu weniger empathischen Berufsangehörigen. Gerade bei den akademischen Berufen gibt es viele soziale, auf Dienstleistung und Zusammenarbeit orientierte Berufe (Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Juristinnen und Juristen etc.). Mit Sicherheit wird durch das Studium die Fähigkeit zu Empathie nicht verringert. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Schulabsolventinnen und -absolventen mit Mittlerem Schulabschluss und dreijähriger Berufsausbildung empathischer seien als Akademikerinnen und Akademiker. Zu den Kompetenzen von Hebammen, die im Studium erworben werden sollen, wird besonders die Fähigkeit zu Kommunikation und Zusammenarbeit gehören.

 

Behauptet wird: „Akademisierung bringt keine bessere Qualität, das sieht man an den Kolleginnen, die im Ausland studiert haben.“

WAHR IST, dass die Ausbildung in einigen EU-Ländern andere Inhalte und Ziele hat als bei uns. Obwohl sie studiert haben, sind die Kolleginnen dann nicht gut auf eine Berufstätigkeit bei uns vorbereitet. In Deutschland wird selbstständiger gearbeitet, wir haben die Hinzuziehungspflicht, d.h. die Hebamme ist zuständig für die physiologische, normale Geburt und nicht die Ärztin oder der Arzt - und es gibt eine ausgeprägte außerklinische, freiberufliche Tätigkeit. Das Berufsbild in einigen EU-Ländern sieht anders aus, daher lernen die Kolleginnen an ihren Hochschulen auch andere Inhalte. Es ist in diesem Zusammenhang eine echte Diskriminierung der Hebammen aus Deutschland, dass sie trotz ihrer vorhandenen Kompetenzen formal einen niedrigeren Abschluss haben als die Kolleginnen aus Ländern, in denen der Beruf studiert wird. Wahr ist aber auch, dass Hebammen aus vielen Ländern mit sehr guter Geburtshilfe höher qualifiziert sind als Hebammen aus Deutschland.

 

Behauptet wird, dass den studierten Hebammen die Praxis fehlt. Das "Handwerk" könne an einer Hochschule schlechter vermittelt werden.

WAHR IST, dass ein Hebammenstudiengang die Kompetenzen vermitteln wird, die auch heute Teil der Ausbildung sind. Und noch mehr! Es besteht kein Anlass zu der Befürchtung, an Hochschulen könnte das praktische Wissen schlechter vermittelt werden. An Hochschulen wird Wissen bereits jetzt sehr stark praktisch vermittelt durch Skills-Trainings und mit Simulationen. Häufig sind Hochschulen sehr professionell mit Skills-Training-Bereichen ausgestattet - besser als besonders die kleinen Berufsfachschulen.

 

Behauptet wird: „So viel theoretisches Wissen ist nicht nötig für Hebammen. Sie arbeiten doch mit ihren Händen und müssen empathisch sein.“

WAHR IST: Das theoretische Hintergrundwissen wird an Hochschulen, anders als an Schulen, grundsätzlich wissenschaftlich begründet und hinterfragt. Dies ist nicht nur aufgrund der bestehenden Gesetze und Berufspflichten von Hebammen zwingend notwendig. Es hilft vielmehr, bessere Argumente gegen und für Interventionen und Eingriffe zu benennen und das eigene Tun wissenschaftlich zu untermauern. Bei der Betreuung einer Frau, einer Untersuchung oder Beratung, laufen im Kopf der Hebamme komplexe Vorgänge ab, in dem sie auf Basis ihres Wissens alles Wahrgenommene analysiert, bewertet und evaluiert. Die Kompetenzen von Hebammen werden klein geredet, wenn sie auf die praktische Ausübung und die sozialen Kompetenzen reduziert werden.

Außerdem werden mit der Akademisierung mehr Fragestellungen wissenschaftlich bearbeitet, die hebammenspezifisch und frauenorientiert sind. Hierdurch wird die bislang ärztlich und medizinisch dominierte Forschung in der Geburtshilfe verändert. Hebammenarbeit und unser Beruf werden dadurch stärker, nicht schwächer. Das Wissen und das Können gehören zusammen und lassen sich nicht trennen.

 

Bin ich nichts mehr wert?

Behauptet wird: „Als Hebamme ohne Studienabschluss bin ich nicht mehr gut genug.“

WAHR IST: Alle Hebammen haben unabhängig von der Ausbildungsform die gleiche Berufsurkunde und sind gleichwertig. Lernen und Weiterentwicklung sind lebenslange Prozesse, ganz gleich, ob man mit einer Ausbildung oder mit einem Bachelor begonnen hat. Hebammen, die weiter lernen und sich fortbilden und Berufserfahrung sammeln, sind daher alle „gut“. Die unterschiedlichen Wege des Lernens können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Berufserfahrung und eine reflektierte, lernende Berufsausübung werden nicht durch einen Bachelorabschluss übertroffen. Vielmehr können unterschiedliche Lernwege im fachlichen Austausch dazu führen, dass sich alle Hebammen weiter entwickeln. Und: Wir setzen uns weiter dafür ein, dass allen Hebammen ein verkürzter Weg (im Sinne eines „Nachträglichen Titelerwerbs“ analog zum Vorgehen in der Schweiz) zum Bachelor ermöglicht wird!

 

Behauptet wird: „Hebammen sind nicht mehr gleich viel wert.“

WAHR IST: Für die Bewertung von Kompetenzen und die Wertschätzung, die uns entgegen gebracht wird, sind wir stark selber verantwortlich. Wir sollten uns nicht auseinanderdividieren lassen, sondern die Vielfalt und die Verbesserungen in der Hebammenausbildung begrüßen. Heute erkennt keiner, wer von den jetzt arbeitenden Hebammen eine zweijährige oder eine dreijährige Ausbildung hatte. Wichtig sind die fachliche und persönliche Weiterentwicklung im Berufsleben.

Die Entwicklungen in der Medizin, in der Geburtshilfe und in der Bevölkerung haben dazu geführt, dass die WHO, die EU und alle anderen EU-Länder eine wissenschaftliche Ausbildung auf Hochschulniveau für unseren Beruf für erforderlich halten. Hierdurch können es neu ausgebildete Hebammen zukünftig leichter haben, da sie sich das heute notwendige Wissen nicht mehr nachträglich erarbeiten müssen. Vielmehr bekommen sie vieles bereits im Studium mit und erwerben erweiterte Kompetenzen. Das ist eine tolle Chance für nachkommende Generationen. Die vorhandenen Kompetenzen aller Hebammen besonders durch Berufserfahrung werden trotzdem nicht entwertet sondern sind weiter zwingend notwendig und bedeutsam.

 

Verdienen die dann viel mehr?

Behauptet wird, dass Hebammen mit Studium mehr verdienen werden.

WAHR IST, dass tarifliche Eingruppierungen im Kreißsaal an Tätigkeitsgebiete gebunden sind - unabhängig vom formalen Abschluss. Daher verdienen Hebammen mit akademischem Abschluss nicht automatisch mehr, sondern werden wie alle Hebammen eingruppiert. Genau dasselbe gilt für die freiberufliche Tätigkeit.

Sollten Hebammen mit Bachelorabschluss zukünftig andere Aufgaben übernehmen, die sie im Rahmen des Studiums erlernt haben, werden sie ihre Eingruppierung anders verhandeln können. Das kann zu höheren Löhnen führen.

 

Behauptet wird, dass eine akademische Ausbildung nicht helfen wird, zukünftig eine bessere Vergütung für Hebammen zu erreichen.

WAHR IST, dass sich die Einkommen aller Hebammen perspektivisch verbessern sollten. Hierzu ist das akademische Ausbildungsniveau bedeutsam. Automatisch gibt es keine Tariferhöhung und keine Gebührenerhöhung. Aber eine höherwertige Ausbildung hilft bei unseren Verhandlungen für bessere Verdienstmöglichkeiten.

Untersuchungen zeigen klar, dass Akademiker höhere Einkommen haben als Nicht-Akademiker. Um unterschiedliche Lohnniveaus zu verhindern, sollten wir erreichen, dass alle Hebammen höhere Löhne erhalten. Hierzu werden Fortbildungen hilfreich sein, die auch Hebammen mit der bisherigen Ausbildung für neue Hebammenaufgaben qualifizieren. Außerdem streben wir an, dass alle Hebammen einen verkürzten Weg für die Erlangung eines nachträglichen Bachelorabschlusses wählen können.

Kann eine Akademisierung die Hebammenschaft spalten?

Behauptet wird, dass die Akademisierung die Hebammen spaltet und sie zukünftig unterschiedliche Tätigkeiten ausüben.

WAHR IST: Jede Hebamme ist eine vollwertige Hebamme, ungeachtet des formalen  Abschlusses. Berufserfahrung und Weiterentwicklung sind auch mit der Akademisierung nicht weniger wert. Stellen Sie sich zwei Gläser vor, als Symbol für eine Bachelorabsolventin und eine erfahrene Hebamme aus dem Kreißsaal: Beide Gläser sind voll. Bei der einen ist mehr wissenschaftlich fundiertes Wissen vorhanden, bei der anderen mehr Berufserfahrung und erworbenes Wissen – aber kein Glas ist voller oder leerer. Ob wir uns spalten lassen, liegt primär am Umgang untereinander und miteinander – wir entscheiden das! Aufkommende Probleme sollten offen kommuniziert, Konflikte bearbeitet, ein konstruktiver Umgang im Team entwickelt werden. Die Erfahrungen aus der Schweiz bei der Akademisierung zeigen, dass es auch dort Schwierigkeiten gab, dass aber der offene Umgang miteinander konstruktiv und stärkend für alle sein konnte.

 

Behauptet wird, dass sich Hebammen mit Studienabschluss als etwas Besseres fühlen und anderen Hebammen die Nebentätigkeiten wie Putzen und Auffüllen überlassen.

WAHR IST, dass in einem Team alle Hebammen gleichwertig arbeiten und dieselben Aufgaben haben. Grundsätzlich sollten sich alle Hebammen in den Kreißsälen dagegen wehren, fachfremde Tätigkeiten wie Putzen zu übernehmen. Besonders werdende Hebammen, egal ob Studierende oder Auszubildende, sollten grundsätzlich fachlich angeleitet werden und nicht für Putzdienste herangezogen werden. Im Team sollte eine gemeinsame Strategie erarbeitet werden, damit alle endlich die Möglichkeit bekommen, sich um ihre Hebammenaufgaben zu kümmern.

Wer braucht schon zwei Akademiker am Bett?

Behauptet wird, dass zwei Akademikerinnen oder Akademiker – Gynäkologinnen/Gynäkologen oder Hebammen – bei einer Geburt doch überflüssig sind.

WAHR IST, dass jede Gebärende Unterstützung benötigt durch Berufsangehörige, die bestmöglich ausgebildet sind. Dabei ist wesentlich, dass alle Beteiligten ihr Handeln (und auch wenn sie nicht tätig werden) wissenschaftlich begründen und argumentieren können. Hebammen und Ärztinnen oder Ärzte haben unterschiedliche Aufgabenfelder. Hebammen sind nicht die „Handlangerinnen“. Die Hebamme ist die Expertin für die natürliche Geburt. Wissenschaftlich ausgebildete Hebammen können Ärztinnen oder Ärzten im Kreißsaal auf Augenhöhe begegnen. Die interprofessionelle Zusammenarbeit kann leichter gelingen und erfolgreicher sein, wenn Hebammen ihr Handeln aufgrund ihres Studiums wissenschaftlich begründen und auf Hebammenforschung verweisen können.

Bleiben studierte Hebammen überhaupt im Job?

Behauptet wird, dass Hebammen mit Studienabschluss nicht im Beruf verbleiben, sondern weiter studieren wollen.

Wahr ist, dass es hierfür keinen Beleg gibt. Vielmehr verlassen bereits jetzt sehr viele Kolleginnen, die an einer Schule gelernt haben, den Beruf. Viele wandern auch in andere Studiengänge ab, weil es noch nicht genügend hebammenspezifische Bachelor- und Masterstudiengänge gibt. Wenn alle Absolventinnen einen Bachelor haben, ist dies die primäre Qualifikation für die Berufstätigkeit. Es wird immer einen Anteil an Kolleginnen geben, die sich irgendwann weiter entwickeln und studieren wollen. Es bereichert den Berufsstand, wenn es hebammenspezifische Studiengänge gibt, z. B. mit einem Schwerpunkt auf wissenschaftlichem Arbeiten, Management, Pädagogik oder fachspezifischen Vertiefungen.

Gibt es dann noch genügend Hebammen?

Behauptet wird: Es gibt ja jetzt schon zu wenig Hebammen, dann werden es ja noch weniger, die sich bewerben.

WAHR IST, dass sich die Zahl der Bewerbungen auf Ausbildungsplätze bereits in den vergangenen Jahren etwas verringert hat. Der Beruf ist jedoch nach wie vor so beliebt, dass wir noch immer mehr Bewerbungen haben als Plätze, seien es Studienplätze oder Ausbildungsplätze. Mit einer vollständigen Akademisierung wird der Beruf Hebamme an Attraktivität gewinnen. Schulabgänger und Schulabgängerinnen können sich für einen höheren Abschluss, praxisnahe Studiengänge und ein Studiengehalt entscheiden – das trifft die Interessen der heutigen Schulabgängerinnen und -abgänger. Die Reform ist nach heutigen Erkenntnissen also ein Weg, den Nachwuchs zu sichern. Ein Fortbestehen der jetzigen Situation mit unklarem Ausbildungsweg und fehlender automatischer EU-Anerkennung schreckt eher potenzielle Bewerberinnen und Bewerber ab. Damit der Beruf Hebamme attraktiv bleibt, wird es wesentlich sein, dass die Arbeitsbedingungen zukünftig verbessert werden.

Was passiert, wenn Realschülerinnen den Beruf nicht mehr erlernen können?

Behauptet wird: Es ist unabdingbar, dass Realschülerinnen weiterhin den Beruf der Hebamme erlernen.

WAHR IST: Der DHV kann nicht fordern, das Ausbildungsniveau niedriger zu halten, um allen den Zugang zum Beruf zu ermöglichen. Vielmehr muss sich das Niveau der Ausbildung den stark gestiegenen Anforderungen anpassen. Es gibt zahlreiche Berufe, die bereits seit langem nur mit Abitur und einem Studium ausgeübt werden. Dies wird bei Ärztinnen und Ärzten oder Lehrerinnen und Lehrern nicht hinterfragt, weil klar ist, dass die zwölfjährige allgemeine Schulbildung und ein Studium notwendig sind, um die beruflichen Anforderungen zu bewältigen. Bei Hebammen hat sich der Beruf ebenfalls so entwickelt, dass die Anforderungen nicht mehr zu einer berufsfachschulischen Ausbildung nach zehn Jahren Schulbildung passen. Schwangere Frauen, Gebärende, Wöchnerinnen und ihre Kinder müssen bestmöglich betreut werden. Daher müssen Hebammen die bestmögliche Ausbildung bekommen. Das akademische Niveau ist dafür die Voraussetzung. Die WHO und die EU fordern daher, dass Menschen über eine zwölfjährige allgemeine Schulbildung verfügen sollen, wenn sie den Beruf erlernen.

Zudem machen immer mehr junge Menschen Abitur und immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten wollen studieren. Wir verlieren also bereits jetzt zahlreiche Interessentinnen und Interessenten, die z. B. keinen geeigneten Hebammenstudiengang in der Nähe finden und für die eine berufsfachschulische Ausbildung nicht in Frage kommt.

WAHR IST AUCH, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, in allen Bundesländern auch ohne Abitur zu studieren oder das Abitur nachzumachen. Es sollten alle Menschen, die Hebamme werden wollen, darin unterstützt werden, die notwendige allgemeine und fachspezifische Bildung zu erlangen.

Was passiert eigentlich mit den Schulen?

Viele fragen sich: Was passiert jetzt mit den Hebammenschulen? Sie arbeiten doch auf hohem Niveau.

FAKT IST, auch eine sehr gute Schule kann immer „nur“ eine berufsfachschulische Ausbildung anbieten. Eine akademische Ausbildung unterscheidet sich durch den Erwerb wissenschaftlicher Kompetenzen und vertiefter Fachkenntnisse. Auch Hebammen aus Deutschland benötigen zwingend das akademische Ausbildungsniveau, um mit den Entwicklungen im Gesundheitsbereich und in der Geburtshilfe mithalten zu können. Daher können die Schulen nicht für die Hebammenausbildung erhalten werden. Sie haben nicht das erforderliche formale Niveau. Damit sind sie nicht die geeigneten Institutionen, auch wenn das inhaltliche Niveau teilweise sehr hoch ist.

 

Was passiert mit den Lehrenden?

Wir benötigen die Lehrenden aus den Schulen weiterhin in der Ausbildung an den Hochschulen und zur Planung und Gestaltung der praktischen Ausbildung im dualen Studium. Bei der Reform sind die Lehrenden und ihre Kompetenz unverzichtbar, der Erhalt der Schulen jedoch würde die Reform verhindern. Die meisten Lehrenden an den Schulen verfügen bereits über Master- oder Diplomabschlüsse und dazu natürlich über reichlich Erfahrung in der primären Hebammenausbildung. Diese Lehrenden sollten in den Aufbau der Studiengänge an den Hochschulen eingebunden werden. Zudem benötigen sie auf Wunsch Unterstützung für eine Promotion.

Der DHV setzt sich dafür ein, dass die Lehrenden der Schulen, die nicht an die Hochschulen wechseln wollen, verbindlich einen  gleichwertigen Arbeitsplatz angeboten bekommen. Wir fordern, dies soweit möglich durch gesetzliche Regelungen sicherzustellen. Es gibt zudem anspruchsvolle Aufgaben im Bereich der Praxiskoordination und Gestaltung der praktischen Einsätze und in der Verbindung zu den Hochschulen, die ebenfalls sehr gut durch Lehrende der Schulen zu besetzen wären.

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