Interview mit einer Dozentin

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"Schulter an Schulter am Kreißbett"

Interview mit einer Dozentin

Prof. Christiane Schwarz leitet den dualen Studiengang Hebammenwissenschaft an der Universität zu Lübeck.

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Prof. Christiane Schwarz leitet den dualen Studiengang Hebammenwissenschaft an der Universität zu Lübeck.

Frau Prof. Christiane Schwarz leitet den dualen Studiengang Hebammenwissenschaft an der Universität zu Lübeck. Die Vollakademisierung schreitet in Schleswig-Holstein mit großen Schritten voran, berichtet die Studiengangleiterin im Interview mit dem Deutschen Hebammenverband.

 

In Lübeck wurde der deutschlandweit erste universitäre Studiengang der Hebammenwissenschaften eröffnet – angesiedelt an der medizinischen Fakultät. Was ist das Besondere? Was funktioniert gut bei Ihnen?

Christiane Schwarz: Gerade hat bereits der zweite Jahrgang des Studiums begonnen – der Studiengang wird sehr gut angenommen! Wir sind angesiedelt an der medizinischen Fakultät, sind aber gerade dabei, ein eigenes Institut zu gründen, ein Institut für Gesundheitswissenschaften. Da gehören wir dazu gemeinsam mit beispielsweise der Physiotherapie. Es ist ein wunderbares Konzept, finde ich, weil wir gemeinsam lehren und lernen. Es gibt gemeinsame Module mit den Medizinern und den anderen Gesundheitsberufen und natürlich auch eigenständige Module. Die Dozierenden lehren in ihren eigenen Fächern und auch in den Nachbarstudiengängen. Ich unterrichte Mediziner und die Mediziner unterrichten bei uns. Genauso funktioniert das mit der Pflege und der Physiotherapie. Wir haben gemeinsame wissenschaftliche Querschnittmodule. Das finden wir an anderen Hochschulen auch zwischen einigen Gesundheitsberufen – aber das gemeinsame Lernen mit den Medizinern wie hier in Lübeck ist ungewöhnlich. Wir empfinden das als große gegenseitige Bereicherung und die Mediziner melden uns dies ebenfalls zurück.

Wir arbeiten auf Augenhöhe. Das ist das Besondere an unserer Universität. Es ist eine kleine Uni und wir haben ein gutes Verhältnis von Studierenden zu Lehrenden. Wir können eine individuelle und engmaschige Betreuung anbieten. Das bedeutet auch, dass wir wunderbare Projekte durchführen können, zum Beispiel wird das theoretische Wissen durch Praxis beim Sezieren ergänzt. Jeweils eine Gruppe von sechs Studierenden - aus der Humanmedizin, aus den Hebammenwissenschaften und aus der Physiotherapie - sezieren gemeinsam an einer Körperspende. Unsere Theorie ist, wenn die Studierenden erstmal gemeinsam praktisch arbeiten und sezieren – Schulter an Schulter – und das überstanden haben, dann stehen sie auch später gut zusammen im Kreißsaal. Gemeinsam durch belastende Situationen zu gehen oder ein spannendes Projekt umzusetzen, das macht etwas mit den Studierenden. Wir sind übrigens die einzige Hochschule, die Hebammenstudierenden auch sezieren lassen.

Mit der Akademisierung werden wir sicher weitere so spannende Entwicklungen beobachten können und sicherlich auch heterogene Entwicklungen.

Die Akademisierung des Hebammenberufs kommt und startet bereits in einem Jahr. Wie sind Sie in Lübeck darauf eingestellt?

Christiane Schwarz: Wir haben Personal an der Hebammenschule, das gerne in die universitäre Lehre wechseln wollte. Diese Lehrenden sind alle ausreichend qualifiziert und werden jetzt tatsächlich an unsere Universität wechseln. Sie haben alle einen Master und müssen sich nicht weiterqualifizieren. Das ist übrigens deutschlandweit so, dass die Lehrenden an den Hebammenschulen überwiegend bereits akademisch qualifiziert sind.

Die Ausbildungsplätze an der Hebammenschule, die wir noch haben in Kiel, werden alle umgewandelt in Studienplätze. Schleswig-Holstein ist ja ein kleines Land und wir haben nur diese eine Hebammenschule. Mit dieser arbeiten wir bereits eng zusammen.

Die werdenden Hebammen der Hebammenschule Kiel werden alle an die Universität Lübeck geholt. Geht das so einfach?

Christiane Schwarz: Bundesweit sehen wir ja, dass mittlerweile die meisten Hebammenschülerinnen ein Abitur haben. Da besteht keine Hürde für ein Studium. Die Schülerinnen an der Hebammenschule Kiel, die ihre Ausbildung begonnen haben, beenden diese dort noch. Aber bereits dieses Jahr werden keine neuen Schülerinnen mehr aufgenommen. 2018 hat der letzte Jahrgang die Ausbildung begonnen. Die Vollakademisierung in Schleswig-Holstein ist also in zwei Jahren erreicht.

Wie kann der Übergang zur Akademisierung gestaltet werden?

Christiane Schwarz: Bei uns klappt das wunderbar. In den anderen Bundesländern wird es vielleicht unterschiedliche Modelle geben müssen. Wir hören sogar, dass es in einigen Bundesländern immer noch keine Zustimmung gibt, dass die EU-Richtlinie als Vollakademisierung begriffen werden muss.  Es ist einfach teurer, ein Studium zu finanzieren. Der Hebammenberuf ist ein Frauenberuf. Und seit wann hat man Geld in die Bildung von Frauen gesteckt? Wir haben Glück in Schleswig-Holstein!

Wir bilden für die Praxis aus – wir an der Universität genauso wie an den Hebammenschulen. Wir brauchen Hebammen, die praktisch als Hebammen arbeiten. Nach dem Bachelor werden einige Studierende an der Universität weitermachen und einen Master machen – mit dem Schwerpunkt Forschung, Management, Pädagogik oder auch Praxis an der Klinik. Einige werden dann auch promovieren. Diese sind dann qualifiziert beispielsweise als Professorinnen. Da ist die Luft derzeit tatsächlich noch dünn und wir müssen über Übergangsregelungen nachdenken für die Professuren bei den Studiengängen, die jetzt entstehen werden.

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