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Aktuelle Herausforderungen für Hebammen

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Den Hebammenberuf zukunftssicher gestalten

Herausforderungen

Die Arbeit von Hebammen ist – im wahrsten Sonne des Wortes – lebenswichtig. Sie sind die Expertinnen vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit und helfen bei den verschiedensten individuellen Problemstellungen. Hebammen sind es gewohnt, Herausforderungen anzunehmen und zu meistern – sowohl in ihrem Beruf, als auch im Kampf um eine bessere Geburtshilfe in Deutschland. Und Herausforderungen gibt es genug, denen sich Hebammen heute stellen müssen.

Flächendeckende Versorgung

Alle Frauen in Deutschland haben das Recht auf Hebammenhilfe – und zwar von der Feststellung der Schwangerschaft an bis zum Ende der Stillzeit. Schwangere müssen außerdem selbst entscheiden können, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchten! Diese Wahlfreiheit ist vielerorts in Gefahr. Eine Hebamme zu finden, die Schwangere und Mütter mit ihren Familien bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett betreut, ist nicht immer und überall möglich. In einigen Regionen Deutschlands gibt es schon heute keine Wahlfreiheit mehr - weil die klinische Geburtshilfe auf wenige Krankenhäuser zentralisiert wurde oder die freiberufliche Geburtshilfe weggefallen ist. Auch für die Wochenbettbetreuung und Schwangerenvorsorge findet sich immer schwerer eine Hebamme.

Damit alle Frauen die Hebammenhilfe erhalten, die sie benötigen, braucht es einen umfassenden Überblick über die aktuelle Versorgung der Frauen und Kinder. Denn nur, wenn wir genau wissen, an welchen Orten zu wenige Hebammen arbeiten, können wir gemeinsam mit Politikerinnen, Politikern und den Krankenkassen handeln. Der DHV fordert deshalb eine umfassende Datenerhebung über die heutige Hebammenhilfe in Deutschland. Dies ist heute wichtiger denn je, da die Geburtenzahlen wieder stiegen.

Arbeitsbedingungen an Kliniken verbessern

Personalengpässe in Kliniken sind auch für Hebammen an der Tagesordnung. Fast die Hälfte der im Kreißsaal tätigen Hebammen betreut häufig drei Frauen parallel. Aber auch die Betreuung von vier Frauen und mehr ist keine Seltenheit. Fast zwei Drittel der Hebammen müssen regelmäßig Vertretungen übernehmen. Sie können Pausen nicht einhalten und leisten immer mehr Überstunden. Häufig werden Hebammen auch für fachfremde Aufgaben eingesetzt. Kliniken besetzen oftmals freie Stellen nicht mehr und jeden Monat schließen Kreißsäle ganz oder teilweise ihre Türen. Schwangere weichen dann notgedrungen in umliegende Kliniken aus, die in den meisten Fällen jedoch kein zusätzliches Personal eingestellt haben.

Damit sich die Qualität in der Geburtshilfe verbessert, müssen die Kliniken ausreichend Hebammen einstellen und diese entsprechend ihrer Ausbildung einsetzen. Nur so ist sichergestellt, dass jede Frau die Betreuung erhält, die sie benötigt und wünscht.

Kaiserschnittraten senken

In Deutschland liegt die Kaiserschnittrate bei rund 30 Prozent. Das sind rund 20 Prozent mehr, als die Weltgesundheitsorganisation für medizinisch notwendig hält. Kaiserschnitte können Leben retten. Aber sie sollten nur im Notfall angewendet werden, da sie Risiken für die Gesundheit von Mutter und Kind haben. Für die Kinder besteht außerdem unter anderem ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes und Allergien als Folge. Jede Schwangere und jedes Kind haben das Recht auf eine Geburt ohne medizinischen Eingriff und ohne Interventionen (die so genannte Spontangeburt, auch physiologische Geburt), wenn keine Gefährdung für Mutter und Kind besteht.

Abrechnungspauschalen für die Geburtshilfe

Spontangeburten dauern unterschiedlich lange und bedürfen individueller, intensiver Betreuung. Der Personalaufwand dafür ist hoch, wird derzeit aber nicht leistungsgerecht abgebildet. Das kann zu finanziellen Problemen für die Kliniken führen. In der Folge werden unrentable Kreißsäle oder Geburtsabteilungen vielerorts geschlossen.

Der Deutsche Hebammenverband fordert daher veränderte Abrechnungspauschalen in der Geburtshilfe. Sie sollen einen Anreiz für physiologische Geburten bieten, also solche, die spontan und ohne fremdes Eingreifen ablaufen. Die erforderliche und geleistete Hebammenbetreuung muss dabei berücksichtigt werden.

Höhe der Haftpflichtprämien

Von 2002 bis 2017 haben sich die Haftpflichtversicherungsprämien mehr als verzehnfacht. Inzwischen muss eine Hebamme, die freiberuflich Geburtshilfe anbietet, über 8.000 Euro nur für ihre Berufshaftpflichtversicherung bezahlen. Dabei ist es egal, ob sie als Hausgeburts- oder Geburtshaushebamme vielleicht nur wenige Geburten im Jahr begleitet. Seit 1. Juli 2015 erhalten Hebammen den so genannten Sicherstellungszuschlag. Mit dem Zuschlag ist erstmal eine Zwischenlösung gefunden und der Großteil der Kosten für freiberuflich in der Geburtshilfe tätige Hebammen abgedeckt.

Der Deutsche Hebammenverband fordert in einem nächsten Schritt eine tragfähige und zukunftssichere Lösung der Haftpflichtproblematik. Diese könnte beispielsweise die Einführung eines Haftpflichtfonds sein, der für Schäden aufkommt, die über einer bestimmten Deckungssumme liegen. Außerdem fordert der Verband eine Haftungshöchstgrenze für Hebammen.

Von der Fachschule an die Hochschule

In allen Mitgliedstaaten der EU darf die Ausbildung zur Hebamme ab 2020 nur noch an Hochschulen stattfinden. Die Zugangsvoraussetzung ist dann eine zwölfjährige allgemeine Schulbildung (statt wie bisher zehn Jahre). Deutschland gehört schon heute zu den wenigen Ländern, die die neue EU-Bestimmung noch nicht umgesetzt haben. Ein Abschluss in Deutschland wird innerhalb der EU daher heute nicht mehr automatisch anerkannt. Die von der EU beschlossene Akademisierung des Hebammenberufes bietet die Möglichkeit, die Ausbildungsinhalte auf einen aktuellen, zeitgemäßen Stand auf Hochschulniveau zu bringen. Außerdem bietet der Hochschulabschluss den Absolventinnen und Absolventen viele neue berufliche Perspektiven.

Finanzierung der praktischen Ausbildung

Hebammen und andere Gesundheitsberufe müssen einen hohen praktischen Ausbildungsteil absolvieren – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Klinik. Damit dies ausreichend finanziell abgesichert ist, fordert der Deutsche Hebammenverband einen gesetzlichen Finanzierungsrahmen der praktischen Hebammenausbildung. Dieser soll auch für außerklinische Hebammen und hebammengeleitete Einrichtungen gelten und über den Ausbildungsfonds des Krankenhausfinanzierungsgesetzes geregelt werden.

 
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