Unsere Ziele - unsere Forderungen

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Ausreichende Versorgung für Familien, bessere Politik für Hebammen

Unsere Ziele – unsere Forderungen

Wir fordern: Ausreichende Versorgung für Familien und bessere Politik für Hebammen! Alle Frauen in Deutschland haben das Recht auf Hebammenhilfe – von der Feststellung der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit. Eine Hebamme ist die maßgebliche Expertin in allen Phasen und per Gesetz bei jeder Geburt dabei.

Der DHV setzt sich dafür ein, dass eine Versorgung von Schwangeren und jungen Familien mit Hebammenhilfe jederzeit gewährleistet ist. Dafür ist es unbedingt notwendig, die Rahmenbedingungen der Hebammenarbeit zu verbessern, die Versorgung mit Hebammenleistungen umfassender zu planen und abzusichern sowie die Akademisierung des Hebammenberufes entsprechend den EU-Vorgaben zügig umzusetzen. Von der Politik auf Bundes- und Landesebene fordern wir entsprechende deutliche Maßnahmen.

Wir fordern: ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz für eine bessere Versorgung

In der Geburtshilfe muss wieder der Mensch im Mittelpunkt stehen. Der DHV hat dazu fünf Forderungen veröffentlicht, die für eine individuelle und sichere Betreuung jeder Frau und ihrer Familie unerlässlich sind:

  • Geförderte Hebammenstellen: Wir brauchen eine Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt. Jede Hebamme kümmert sich dabei um genau eine Geburt auf einmal; das entspricht 30 Geburten pro Jahr und Vollzeitstelle. Dieser angemessene Betreuungsschlüssel verringert Interventionsraten, bewirkt eine höhere Zufriedenheit der Frauen mit der Geburt und verbessert nachweislich die Gesundheit von Mutter und Kind.
  • Transparente Betreuungsschlüssel: Kliniken werden gesetzlich verpflichtet, den aktuellen Hebammen-Betreuungsschlüssel ihrer Kreißsäle zu veröffentlichen. Dadurch bekommen Schwangere und ihre Familien die Möglichkeit, Krankenhäuser zu vergleichen und sich für dasjenige mit dem besten Betreuungsschlüssel zu entscheiden.
  • Ambulante Notfallversorgung: Wir brauchen eine gesicherte ambulante Notfallversorgung in geburtshilflichen Kliniken, auch außerhalb der Kreißsäle. Diese kann beispielsweise von geburtshilflich-gynäkologischen Notdiensten oder neu initiierten geleistet werden.
  • Feste Qualitätsstandards: Wir brauchen gesicherte Verfahrensabläufe in der Geburtshilfe. Kliniken mit geburtshilflichen Abteilungen werden verpflichtet, regelmäßige Fortbildungen und Notfalltrainings durchzuführen und ein anonymes Meldesystem einzurichten. Auf Basis dessen werden Fehleranalysen und individuelle Fallbesprechungen möglich. Dies geschieht unabhängig von Größe und Versorgungsniveau der jeweiligen Klinik.
  • Nachhaltige Entwicklung: Klinikhebammen werden ausschließlich in ihren Kernkompetenzen eingesetzt. Von fachfremden Tätigkeiten wie Materialbeschaffung und Putzdienst werden sie befreit. In jeder geburtshilflichen Abteilung werden zudem hebammengeleitete Kreißsäle, sogenannte Hebammenkreißsäle, geschaffen; in die Leitung und Organisation der Abteilungen werden Hebammen ebenfalls stärker eingebunden. Dafür ist eine Aufwertung der Ausbildung notwendig durch eine vollständige und zügige Akademisierung. Diese wird ab 2020 von den Hebammenschulen an Hochschulen verlagert.

Wir fordern: neue Versorgungsformen und ambulante Hebammenhilfe

Gesunde Schwangere sollen wohnortnah versorgt werden können. Dafür sollen Modellprojekte gefördert werden, z. B. Geburtshäuser, Hebammenzentren oder hebammengeleitete Kreißsäle. Für ambulante Hebammenversorgung sind zudem gesetzliche Vorgaben und in strukturschwachen Regionen finanzielle Förderungen notwendig.

Warum? Allein seit 2015 wurden über 60 Kliniken und/oder Geburtsabteilungen in Deutschland ersatzlos geschlossen. Schwangere müssen teils weite Wege in Kauf nehmen. Außerklinische Versorgung am Wohnort, die das teilweise ausgleicht, können Hebammen jedoch nur anbieten, wenn die Finanzierung der hohen Betriebskosten gewährleistet ist.

Wir fordern: einen nationalen Aktionsplan zur Förderung normaler Geburten

Dazu gehört auch die Forschung über die Spätfolgen medizinisch nicht notwendiger Eingriffe sowie über Folgekosten für die gesetzlichen Krankenversicherungen.

Warum? In Deutschland werden zu häufige Geburtseinleitungen und etwa dreimal so viele Kaiserschnitte durchgeführt, als die Weltgesundheitsorganisation für notwendig hält. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass mehr Hebammenhilfe zu weniger Interventionen führt.

Wir fordern: eine Neubewertung der Abrechnungspauschalen für die Geburtshilfe

Veränderte Abrechnungspauschalen (G-DRG) in der Geburtshilfe sollen einen Anreiz für eine physiologische Geburt (also spontan und ohne fremdes Eingreifen) bieten. Die erforderliche und geleistete Hebammenbetreuung muss dabei berücksichtigt werden.

Warum? Spontangeburten dauern unterschiedlich lange und bedürfen individueller, intensiver Betreuung. Der Personalaufwand dafür ist hoch, wird derzeit aber nicht leistungsgerecht abgebildet. Das kann zu finanziellen Problemen für die Kliniken führen.

Wir fordern: eine nachhaltige Lösung der Haftpflichtproblematik

Eine tragfähige und zukunftssichere Lösung der Haftpflichtproblematik, z. B. einen Haftungsfonds und eine Haftungshöchstgrenze für Hebammen, muss erreicht werden.

Warum? Die Haftpflichtprämien steigen weiter unvermindert an, am 1. Juli 2019 beispielsweise von 8174 Euro auf 8664 Euro für freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe anbieten. Eine Auswahl an Versicherungsangeboten gibt es nicht. Trotz Sicherstellungszuschlag bleibt ein Selbstbehalt für die Hebammen, der mit jeder jährlichen Prämienerhöhung steigt.

Wir fordern: Einsatz von Hebammen entsprechend ihrer Kompetenzen

Die Kompetenzen von Hebammen in Kliniken müssen besser genutzt werden. Ärztinnen und Ärzte sollten nur bei Abweichungen vom physiologischen Verlauf hinzugezogen werden.

Warum? Hebammen sind Expertinnen in der Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie können dank ihrer Ausbildung ohne ärztliche Anweisungen arbeiten. In anderen europäischen Ländern sind sie daher längst Hauptansprechpartnerinnen in der Geburtshilfe.

Wir fordern: einheitliche Standards und gebündelte Zuständigkeiten

Der DHV fordert fachübergreifende Expertenstandards (z. B. Leitlinien auf S3-Niveau) zur Förderung von Spontangeburten und eine zentrale Stelle im Bundesgesundheitsministerium, in der die Zuständigkeiten gebündelt werden.

Warum? Die qualitätsvolle Geburtshilfe in Deutschland benötigt Leitlinien, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Außerdem muss sie sich darauf verlassen können, dass bereits bestehende Standards auch angewandt werden.

Wir fordern: regelmäßige Statistiken zur Hebammenversorgung

Eine bundeseinheitliche Statistik soll über die Versorgung mit Hebammenhilfe Auskunft geben. Außerdem halten wir ein Gutachten des Sachverständigenrats zur Personalentwicklung im Gesundheitswesen für sehr wichtig.

Warum? Ohne verlässliche Daten fehlt ein Überblick, ob allen werdenden Müttern und Familien wohnortnah eine Hebamme zur Verfügung steht. Diesen brauchen wir aber, um Mangelversorgung schnell zu erkennen und wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

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