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Beleghebammen

 
Für Hebammen

Retten Sie unsere Beleghebammen!

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) möchte die Regeln für die Vergütung von Geburtshilfe durch Beleghebammen verändern. Dies könnte die Versorgung mit Hebammenhilfe in fast allen Bundesländern dramatisch beschneiden, weil viele Kreißsäle und Geburtsabteilungen wahrscheinlich schließen müssten.

Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist daher gegen die Änderungen in der vorgeschlagenen Form. Allerdings benötigt er Ihre Unterstützung, um die sowohl für Eltern als auch für Beleghebammen äußerst ungünstige Entwicklung abzuwenden. Demnächst wird eine Schiedsstelle entscheiden, ob die neuen Regeln kommen.

Protestieren Sie jetzt mit uns!

 

Was sind Beleghebammen?

Beleghebammen arbeiten freiberuflich in Krankenhäusern und Geburtskliniken. Sie bieten ihre Leistung entweder in der 1:1-Betreuung an, können also Kreißsäle nutzen, wenn eine von ihnen betreute Geburt ansteht. Oder sie arbeiten im Schichtdienst in einem sogenannten Belegteam, ähnlich wie angestellte Hebammen. Im Jahr 2015 gab es 1.838 Beleghebammen in Deutschland, diese unterstützten insgesamt 140.075 Frauen bei der Geburt. Das heißt, dass rund 20 Prozent aller Geburten in Deutschland von Beleghebammen begleitet werden.

Für die Abrechnung der Leistungen von Beleghebammen gelten bestimmte Regeln seitens der Krankenkassen. Diese sehen allerdings heute schon eine relativ knappe Vergütung vor, die dem realen Arbeitsalltag kaum gerecht wird. Zudem ist die Nachfrage so hoch, dass Beleghebammen chronisch überlastet sind und Eltern sich für eine 1:1-Betreuung bei der Geburt sehr früh anmelden müssen.

Weiterführende Infos finden Sie in unserem Argumentarium zum Erhalt des Belegsystems (PDF-Dokument, 193.1 KB).

 

Was bedeuten diese Änderungen?

Die nun vorgeschlagenen Änderungen würden die hoch angespannte Situation in der klinischen Geburtshilfe deutlich verschärfen, anstatt für Entlastung zu sorgen. Der GKV-SV will damit die Ausgaben für die Krankenkassen senken. Im Einzelnen ist vorgesehen:

  • dass eine Beleghebamme im Schichtdienst nur noch die Betreuung von höchstens zwei Frauen gleichzeitig abrechnen darf. Im Idealfall kümmert sich jede Hebamme natürlich nur um eine Geburt auf einmal, doch jeder weiß, dass sich Geburtstermine nicht planen lassen und dass es manchmal sein muss, mehrere Frauen parallel zu betreuen. Diese Beschränkung ist also völlig unrealistisch. Beleghebammen müssten künftig Frauen in andere Kliniken schicken oder ihre Leistungen privat abrechnen. Ergebnis: schlechtere Versorgung!
  • dass eine Beleghebamme in der 1:1-Betreuung garantieren muss, eine Geburt von Anfang bis Ende zu begleiten. Dafür wird sie mit einer Pauschale vergütet. Bei längeren Geburten mit sogenanntem protrahiertem Verlauf müssen sich Hebammen aber manchmal kurzfristig ablösen. Dies wollen die Gesetzlichen Krankenkassen künftig nicht mehr bezahlen, wenn es nicht im Voraus geplant wurde. Ergebnis: sparsamere Versorgung!
  • dass eine Beleghebamme in der 1:1-Betreuung jede Frau persönlich betreuen muss bzw. maximal eine persönliche Vertretung benennen darf. Das ist nicht grundsätzlich falsch. Es bedeutet allerdings, dass eine weitere Vertretung, falls sowohl persönliche Hebamme als auch persönliche Vertretung verhindert sein sollten, künftig nicht mehr mit der Gesetzlichen Krankenkasse abrechnen dürfte. Die Frau müsste selbst zahlen. Ergebnis: teurere Versorgung!
  • dass der Vertrag über eine 1:1-Betreuung zwischen Beleghebamme und werdender Mutter künftig bis maximal zur 38. Schwangerschaftswoche abgeschlossen werden muss. Wer sich danach erst für eine persönlich bekannte Hebamme entscheidet, hat Pech oder muss selbst zahlen. Ergebnis: unflexiblere Versorgung!


Die Gesetzlichen Krankenkassen wollen also eine schlechtere, sparsamere, teurere und unflexiblere Versorgung für Frauen durchsetzen – und zwar im völligen Bewusstsein der bereits bestehenden Unterversorgung.

Detaillierte Informationen finden Sie in unserem Argumentarium zum Erhalt des Belegsystems (PDF-Dokument, 193.1 KB).

 

 

Was wären die Folgen?

Ganz einfach: Es müssten noch mehr Kreißsäle schließen und das Versorgungsangebot würde noch weiter wegbrechen. Denn sehr viele freiberuflich arbeitende Beleghebammen könnten sich schlicht nicht mehr leisten, ihre Dienste in Kliniken anzubieten. Diese müssten dann entweder mangels Fachpersonal ihre geburtshilflichen Abteilungen schließen oder ihre Beleghebammen fest anstellen.

Das Belegsystem war aber vielerorts die letzte Rettung, um einen Kreißsaal nicht schließen zu müssen – das wissen auch die Krankenkassen ganz genau. Besonders Kliniken in dünn besiedelten Gebieten sind auf Beleghebammen angewiesen, weil die Personalkosten für fest angestellte Hebammen zu hoch sind. Das zeigen auch die vom DHV eingeholten Zahlen aus den Bundesländern: So gibt es allein in Bayern 78 reine Belegkliniken (Stand 2016). Welche davon unter den neuen Regeln weiterhin Geburtshilfe anbieten können, ist unklar.

Näheres zu den Folgen steht in unserem Argumentarium zum Erhalt des Belegsystems (PDF-Dokument, 193.1 KB).

Was fordert der DHV?

Das gegenwärtige Belegsystem muss erhalten bleiben und seine Leistungsmenge darf nicht vertraglich eingeschränkt werden. Die Vergütung von Beleghebammen muss auf ein Niveau angehoben werden, das dem Aufwand und der Verantwortung ihrer Tätigkeit entspricht.

Es ist vollkommen falsch, das Belegsystem so stark zu reglementieren, dass es letztlich nicht mehr sinnvoll angeboten werden kann. Genau das sieht aber der Vertragsentwurf der Gesetzlichen Krankenkassen vor.

 

Wie können Sie die Beleghebammen unterstützen?

Den Erhalt des Belegsystems kann der DHV nicht auf dem regulären Verhandlungsweg erreichen. Wir müssen daher gemeinsam versuchen, den Beschluss der vom GKV-SV vorgeschlagenen Änderungen in der Schiedsstelle zu verhindern. Hierfür müssen wir auch die Politik einschalten.

Schreiben Sie der/dem Gesundheitsminister/in Ihres Bundeslandes oder der/dem Abgeordneten Ihres Wahlkreises und fordern Sie sie auf, aktiv zu werden!

Anleitung für Ihren Protestbrief:

  1. Laden Sie unsere Briefvorlage herunter (Word-Dokument, 50 KB)und öffnen Sie sie in Ihrer Textverarbeitung.
  2. Wenn Sie Ihrem Landesgesundheitsministerium schreiben möchten, recherchieren Sie Name und Postanschrift über die Webseite Ihrer Landesregierung (Wikipedia und Google können dabei helfen).
  3. Wenn Sie Ihrer/Ihrem Bundestagsabgeordneten schreiben möchten, finden Sie deren/dessen Namen per Eingabe Ihrer Postleitzahl unter www.abgeordnetenwatch.de. Anschließend können Sie die Adresse des entsprechenden Wahlkreisbüros recherchieren.
  4. Fügen Sie die korrekte Anrede (bei Gesundheitsminister/innen lautet die Anrede „Frau Ministerin“ bzw. „Herr Minister“) in die erste Zeile der Briefvorlage ein (gelb markierte Stelle).
  5. Ergänzen Sie Ihren Wohnort/Ihren Landkreis/Ihr Bundesland in der zweiten Zeile des Schreibens (gelb markierte Stelle).
  6. Schicken Sie den Brief per Post (zuvor per Hand unterschreiben) oder speichern Sie ihn als PDF-Datei (zuvor Ihren Namen am Ende des Dokuments einfügen, gelb markierte Stelle) und senden Sie ihn per Mail.
 
Hebamme Eva Juraschko

Hebamme Eva Juraschko

 
Zum Vorschlag des GKV-Spitzenverbandes

Starre Regeln bilden die Realität nicht ab

Eva Juraschko ist seit 25 Jahren Beleghebamme. Bereits seit 1998 arbeitet sie an der Frauen- und Kinderklinik St. Hedwig in Regensburg, inzwischen als leitende Hebamme. Die Klinik gehört zum Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, dem größten katholischen Krankenhaus Deutschlands. Die Hedwigsklinik ist außerdem die Geburtshilfe-Klinik der Universität Regensburg. 32 Beleghebammen betreuen an der Klinik St. Hedwig über 3.000 Geburten im Jahr.

„In der Realität nicht umzusetzen“, so ist die einhellige Meinung der Hebammen-Kolleginnen zu den aktuellen Vorschlägen der Krankenkassen zur Reglementierung der geburtshilflichen Leistung von Beleghebammen. Über ihren Alltag und die damit einhergehenden Herausforderungen berichtet Eva Juraschko.

Über 3.000 Geburten im Jahr, das ist eine stolze Zahl. Wie organisiert man das?

Eva Juraschko: In den letzten Jahren ist unser Team der Beleghebammen konstant gewachsen, denn wir haben die Personalstruktur an die Geburtenzahl und die täglichen Herausforderungen angepasst. Darüber hinaus haben wir an unseren Teamstrukturen gearbeitet und diese kontinuierlich verbessert. Beispielsweise gibt es nun einen Aufnahme- und Organisationsdienst. Und wir sind immer mit vier Hebammen im Tagdienst und vier Hebammen im Nachtdienst besetzt, wobei nicht immer alle Hebammen im Kreißsaal anwesend sind. Zwei sind immer fest dort, die beiden anderen auf Rufdienst. Wenn dann mehr Familien und Frauen kommen, werden die Kolleginnen entsprechend aus dem Rufdienst geholt. Wir arbeiten alle im Schichtdienst und organisieren uns in 12-Stunden-Schichten.

Ist es bei dieser hohen Geburtenzahl möglich, seinen eigenen Ansprüchen an die Arbeit gerecht zu werden?

Eva Juraschko: Wir versuchen es jeden Tag und das klappt auch sehr gut. Denn sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben und ist nicht zufrieden mit sich und seiner Arbeit. Es gibt ja einige Möglichkeiten, auf die äußeren Umstände zu reagieren. Da wir Hebammen alle als Beleghebammen arbeiten, organisieren wir uns eigenständig. Für uns als Team ist das Wichtigste, dass wir unsere Frauen gut betreuen und auch ausreichend Zeit für sie haben. Dafür haben wir die Arbeit entsprechend der verschiedenen Anforderungen strukturiert: Es gibt Geburtshebammen, die tatsächlich Frauen unter der Geburt betreuen, und eine Organisationshebamme. Diese kümmert sich beispielsweise um die ambulanten Aufnahmen und weist den Kolleginnen, wenn sie nach Abschluss einer Geburt wieder freie Kapazitäten haben, die nächste Schwangere zu. Wir versuchen stets, dass jede Geburtshebamme maximal zwei Frauen bei der Geburt betreut. Aber bei rund 3.000 Geburten im Jahr funktioniert das nicht immer, denn es gibt auch mal Tage, an denen zwölf Stunden lang acht oder auch mehr Frauen gebären. Allerdings befinden sich nicht alle Frauen in der gleichen Phase der Geburt und benötigen deshalb nicht die gleiche intensive Betreuung.

Zur Geburtsbetreuung kommen für uns die Aufnahme von Frauen mit vorzeitigen Wehen und der stark wachsende ambulante Bereich, wenn beispielsweise Frauen eine Zweitmeinung einholen wollen. Das ist eine enorme zusätzliche Herausforderung neben den über 3.000 Geburten im Jahr. Deshalb sind wir immer wieder auf der Suche nach neuen Kolleginnen, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Aber uns ist bewusst, wie schwierig es inzwischen ist, Hebammen zu finden.

Was halten Sie vor diesem Hintergrund von den Plänen der Krankenkassen, dass nur zwei Frauen parallel betreut werden dürfen?

Eva Juraschko: Das System, so wie es jetzt über die Jahre hinweg praktiziert wurde, hat sich sehr gut etabliert. Es ist eine Herausforderung, aber eine, der man mit Organisationstalent und Flexibilität begegnen muss und auch kann. Starre Regeln wie nun vorgeschlagen, bilden aus meiner Sicht die Realität in einer großen Geburtshilfeklinik, wo es eben auch „Spitzen“ gibt, nicht ab. Wir persönlich arbeiten jeden Tag daran, was wir organisatorisch und strukturell ändern können, um den Service für die schwangeren Frauen weiter zu verbessern. Und das ist genau der Punkt: Inwiefern trifft es tatsächlich zu, dass die geplanten Regelungen die Betreuungsqualität für die Frauen erhöhen, so wie es die Krankenkassen ja eigentlich wünschen? Natürlich klingt der Vorschlag, dass eine Hebamme nie mehr zwei Frauen gleichzeitig betreuen soll, positiv. Da wird jede Schwangere zustimmen. Wenn dann aber beispielsweise eine Frau mit vorzeitigen Wehen in der 28. Woche kommt und die Hebamme sagt „Es tut mir leid, ich habe bereits zwei Frauen unter der Geburt und kann sie jetzt leider nicht mitbetreuen“, dann sieht sie das doch ganz anders aus.

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